Simon Eiletz, „der Fünfte“ geboren am 1. September 1934 in Knittelfeld, erzählt im Rahmen des Projekts „Murtaler Zeitzeugen 2.0“ von seiner Familiengeschichte und dem Familienbetrieb der Eiletz Fassbinderei, der seit 1819 in Familienbesitz ist und mittlerweile in der siebten Generation geführt wird.
Er ist sehr stolz auf seinen Enkel Simon „der Siebente“, ein 24-jähriger gelernter Tischler und Fassbinder. Dieser macht gerade seine Meisterprüfung, um den Betrieb weiter zu führen, nach der Meinung von Simon Eiletz sind diese Prüfungen heute viel schwieriger als früher. Er berichtet über seine Vorfahren, die ursprünglich aus der Gegend von Mureck stammen, und wie sein Großvater nach Knittelfeld kam. 1901 begab sich dieser wie es damals üblich war auf Wanderschaft, die sogenannte „Walz“ und war mit dem Fahrrad durch ganz Österreich, von Betrieb zu Betrieb, immer für wochenweise Arbeit unterwegs. Bei der Heimfahrt kam er in Knittelfeld beim Fassbindermeister Jaklitsch vorbei, dieser wollte ihn aber zuerst nicht aufnehmen, da er keine Arbeiter brauchte.
Schließlich konnte ihn aber Simons Großvater überzeugen für eine Woche zu bleiben. Nach der Woche als er sein Geld holen und weiter ziehen wollte bat ihn aber Herr Jaklitsch doch zu bleiben und nachdem der Fassbindermeister nur zwei Söhne hatte, die den Betrieb nicht übernehmen wollten, übergab er ihn schließlich an Simons Großvater, der ihn von dort an weiterführte.
1914 musste der Großvater an die Front einrücken wurde dort aber durch einen Schuss in die Lunge verletzt, daraufhin war er nicht mehr fronttauglich und wurde nach Knittelfeld zurückgeschickt. Dort angekommen durfte er aber nicht in seinem Betrieb weiterarbeiten, sondern kam in ein Gefangenenlager welches er später leiten musste. 1934 kam eine schwierige Zeit in der die Leute wenig Geld und Arbeit hatten. Zur selben Zeit übernahm Simon Eiletz Vater den Betrieb vom Großvater, durch eine kleine Landwirtschaft konnte die Familie die Zeit überstehen, denn die Fassbinderei erzielte fast keine Erlöse. 1939 rückte auch Simons Vater als 25-jähriger in den Krieg ein, geriet später in Kriegsgefangenschaft in Sibirien, aus welcher er 1947 zurückkehrte.
In dieser Zeit hielten seine Mutter und der invalide Großvater den Betrieb weiter am Laufen. Simon Eiletz schildert die schwierigen Zeiten während der Weltkriege, insbesondere die wirtschaftlichen Herausforderungen, die Bombenangriffe 1945 auf Knittelfeld und wie die Familie und der Betrieb diese Zeiten überstanden haben. Im Krieg war es schwer, Material für die Fassbinderei zu bekommen und so herrschte danach eine sehr starke Nachfrage an Holzfässern, sodass Simons Vater zehn Arbeiter anstellen musste, um den Betrieb führen zu können.
Die gesamte Familie arbeitete hart, um den Betrieb wieder aufzubauen, das Geschäft begann in dieser Zeit zu florieren. Simon Eiletz begann bereits mit 15 Jahren im Betrieb zu arbeiten, fuhr durch die Südsteiermark, um Fässer auszuliefern und trug so maßgeblich zum Fortbestand der Fassbinderei bei.
Simon Eiletz, Knittelfeld - Murtaler Zeitzeugen 2025/2026, Teil 2
Simon Eiletz, Teil 2:
Im 2. Teil des Murtaler Zeitzeugen Gespräches mit Simon Eiletz berichtet er sehr detailliert und persönlich über sein Leben und das Arbeiten in Knittelfeld. Nach dem Krieg im Jahr 1951 herrschte große Arbeitslosigkeit und viele Lehrwerkstätten, wie jene der Eisenbahn, wurden geschlossen. Simon erzählt, dass er bereits mit 15 Jahren arbeiten musste, obwohl er noch nicht ganz die Schule beendet hatte. Obwohl er noch nicht volljährig war, suchte er eine Anstellung.
Eine Frau, die Postbotin war, empfahl ihm die Arbeit bei der Post am Bahnhof. Zunächst wurde ihm gesagt, er könne dort nicht arbeiten, da er noch nicht 18 Jahre alt sei und keinen Dienst übernehmen dürfe. Doch nach einem Gespräch mit der Direktion wurde eine Ausnahme gemacht und er durfte bereits ab dem nächsten Tag beginnen, allerdings mit der Auflage, nur eine Woche zu arbeiten und dann wieder frei zu haben, also halb beschäftig bis er volljährig war. Für Simon war diese Arbeit notwendig, um Geld zu verdienen, da andere Arbeitsmöglichkeiten kaum vorhanden waren und er sich so eine Existenz aufbauen konnte. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten akzeptierte er die Bedingungen schweren Herzens, erkannte aber schnell, dass die Arbeit bei der Post eine wichtige Grundlage für sein späteres Berufsleben darstellte. Die Post bot ihm nicht nur eine sichere Anstellung in schwieriger Zeit, sondern auch eine Perspektive die er weiterverfolgte und ausbaute. 1953 trat Simon bei der Post aus und ging für eine Ausbildung, für ein Jahr, in eine Fassfabrik nach Stuttgart.
Nach der Ausbildung kehrte er zurück, jedoch gab es schlechte Neuigkeiten. Ein Großkunde, ein Bierbrauer, der beim Familienbetrieb 5000 Fässer in Auftrag gegeben hatte war kurz nach seiner Rückkehr verstorben. So stand Simon wieder am Anfang und musste wieder bei der Post arbeiten. 1956 in diesem Jahr hat die Frau Ehrlich den Verkauf von zwei Häusern angekündigt, was für die Familie wichtig war. Simon war bis 1957 im Hilfsdienst bei der Post tätig und legte danach eine Prüfung ab, die es ihm ermöglichte beim Schalter zu arbeiten, so war er bis 1987 bei der Post am Bahnhof tätig. 1968, Simon Eiletz Bruder war ein sehr talentierter Tischtennisspieler der zu den besten Spielern Österreichs gehörte. Trotz gesundheitlicher Probleme, die durch eine Erkrankung am Rückenmark verursacht wurden, ließ sich sein Bruder nicht unterkriegen. Ein renommierter Professor, der weltbekannt war, diagnostizierte bei ihm einen regenwurmförmigen Tumor im Rückenmark, der zunächst als nicht operabel galt. Doch sein Bruder kämpfte dafür, dass die Operation durchgeführt wurde und dank des Einsatzes eines Oberarztes wurde die Operation schließlich erfolgreich durchgeführt. Nach langer Genesung und einer Lähmung konnte er wieder aktiv sein und arbeitete in der Fassbinderei, solange er konnte. Auch Simon selbst war ein begeisterter Tischtennisspieler, der bei vielen Turnieren mitspielte.
Im Jahr 1987 übernimmt Simon Eiletz den Betrieb offiziell, nach dem Tod des Vaters, als bereits 53-Jähriger. Im Jahr 2000 übergab Simon Eiletz schließlich den Betrieb an seinen Sohn Erwin. Ein zentraler Teil seiner Erzählung ist die Familiengeschichte und der Betrieb. Über jegliche Fässer, Bierfässer und andere Holzarbeiten. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten konnte sein Vater Grundstücke erwerben, was half, den Betrieb zu retten. Simon beschreibt, wie sich die Lage langsam besserte und er den Betrieb schließlich selbst übernahm.
Trotz harter Arbeit, oft 80 bis 90 Stunden pro Woche und kaum Urlaub, blieb die Familie dem Betrieb treu. Heute zählt die Fassbinderei Eiletz zu den führenden seiner Art in Österreich. Simon Eiletz war immer schon mit Knittelfeld verbunden und ihm ging es hier immer gut.