Friederike Link, geboren 1928 in Kraubath, erinnert sich an ihre Kindheit und Jugend in einer bäuerlichen Umgebung. Sie wuchs als ältestes von drei Kindern auf einem Bauernhof mit zwei Brüdern auf; zwölf Jahre später kam ein weiterer Bruder dazu. Friederike erlebte eine freie, aber auch arbeitsreiche Kindheit auf dem Land. Bereits im Alter von sechs Jahren begann sie 1934 mit dem Besuch der Volksschule, wo sie in einer großen Klasse mit bis zu fünf Jahrgängen unterrichtet wurde. Die Schulzeit war von strengen Regeln und dem Lernen der Bundeshymne geprägt, was sie als sehr prägend beschreibt. Bis zum Alter von 14 Jahren besuchte sie die Volksschule; damals gingen alle nur in die Volksschule und begannen danach zu arbeiten, was in dieser Zeit üblich war.
Die 1930er Jahre, ihre Jugendzeit, waren von wirtschaftlicher Not und Arbeitslosigkeit geprägt. Besonders in der Gemeinde herrschte großes Elend, und viele Familien litten unter Hunger und Armut. Lebensmittelsorgen waren allgegenwärtig, und die Versorgung erfolgte oft nur über Lebensmittelkarten, die bis weit in die Nachkriegszeit, etwa bis 1945, genutzt wurden. Friederike beschreibt den Mangel an Strom, Kühlschränken und anderen Haushaltsgeräten, die heute selbstverständlich sind. Weihnachten war in dieser Zeit besonders entbehrlich, da es kaum festliche Speisen gab. Sie erzählt von ihrer Mutter, die bei einem wandernden Bäcker für einen Schilling ein Mohnweckerl für ihre Kinder holte – eine kleine Besonderheit, die heutzutage kaum vorstellbar ist.
Ein wichtiger historischer Einschnitt war der Zweite Weltkrieg, der auch die Region Murtal und Knittelfeld nicht verschonte. Im Februar 1942 wurde Knittelfeld bombardiert, was sie noch genau in Erinnerung hat. Sie berichtet vom Lärm, der Angst und den Einschlägen der Bomben, die auch in Kraubath Spuren hinterließen. Während des Krieges waren viele Männer, darunter ihr Vater, zum Militär eingezogen, was die Arbeit auf dem Bauernhof und die Verantwortung für die Familie auf die Frauen verlagerte. Nachkriegsjahre waren weiterhin von Entbehrungen geprägt, auch wenn langsam ein Aufbruch begann, etwa mit dem Bau eines Flughafens in Zeltweg und anderen Infrastrukturprojekten.
Ein weiteres wichtiges Datum war das Jahr 1936/37, in dem ein Putschversuch der Nationalsozialisten in der Region stattfand. Friederike erinnert sich an die politischen Repressionen in jener Zeit, an festgenommene Bürgermeister und an die Flucht mancher Familienmitglieder nach Deutschland.
Nach dem Krieg absolvierte Friederike 1948 eine Landwirtschaftsschule, wodurch sie ihr Wissen und ihre Kompetenzen im Bereich der Landwirtschaft erweiterte. Sie beschreibt das Leben als junge Frau auf dem Bauernhof: die schwere Arbeit, aber auch die familiären Bindungen und Traditionen. Ihre Hochzeit wurde in St. Michael gefeiert und war mit einer größeren Feier verbunden, was damals noch ein besonderes Ereignis war. Einer ihrer Brüder übernahm den elterlichen Bauernhof, während sie Hausfrau wurde, später Kinder bekam und gemeinsam mit ihrem Mann ein Haus mit eigenen Händen baute.
Die spärliche Freizeit nach den Kriegsjahren verbrachte Friederike manchmal im Kino oder bei einem der seltenen Fußballspiele. Eines ihrer Hobbys war das Stricken; sie stellte den Großteil der Kleidung für sich und ihre Familie selbst her. Die Zeit nach dem Krieg war schwierig: Es gab keinen Strom, nur Petroleumlichter, die Wasserleitungen wurden erst gebaut, und meist stand nur kaltes Wasser zur Verfügung. Die Wäsche wurde im Bach gewaschen – auch im Winter. 1970 unternahm sie ihren ersten Auslandsausflug und sah in Italien zum ersten Mal das Meer.
Friederike Link ist eine waschechte „Kraubatherin“, die ihr ganzes Leben in der kleinen Gemeinde Kraubath im Murtal verbracht hat. Zu ihrem sozialen Umfeld in der Gemeinde Kraubath sagt sie, dass sie dort ihr ganzes Leben verbracht hat und trotz aller Veränderungen die Verbundenheit mit der Heimat stark geblieben ist. Sie hebt hervor, dass man jeden Menschen kannte und die Dorfgemeinschaft eng war. Auch wenn sie heute nicht mehr so viel fortgeht, bleiben für sie die schönen Erinnerungen an die Vergangenheit.