Hans Köstner wurde 1941 in Fohnsdorf geboren. Schon früh war sein Leben von den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs geprägt. Sein Vater ist 1942 im Krieg gefallen, sodass seine Mutter die drei Kinder alleine großziehen musste. Köstner wuchs in einer Zeit großer Entbehrungen auf, und die Erinnerungen an den Krieg haben sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt. Besonders eindrucksvoll schildert er die Bombardierungen von Knittelfeld und Zeltweg, die er als etwa vier Jahre alter Bub nach Kriegsbeginn gemeinsam mit seiner Mutter von der Hochwiesen aus beobachtete. Die Zerstörungen, die er dabei sah, begleiten ihn in seinen Erinnerungen bis heute.
Als kleiner Bub erlebte Hans Köstner die Besatzungszeit als Normalität über die er sich damals als Kind nicht viele Gedanken machte . In Fohnsdorf waren russische Truppen stationiert, die er als überraschend kinderfreundlich in Erinnerung hat, so sehr, dass er als Kind sogar einmal auf einem Pferd sitzen durfte. Ganz anders nahm er die Stimmung im nahegelegenen Judenburg wahr, wo die englischen Besatzungstruppen präsent waren. Diese unterschiedlichen Eindrücke zeigten ihm schon früh, wie verschieden die Nachkriegszeit selbst innerhalb einer Region erlebt werden konnte.
In seiner Jugend beschreibt sich Köstner als aktiven, neugierigen jungen Menschen, der stets etwas unternehmen wollte. Auch wenn ihm nicht mehr jedes Detail seiner Freizeitaktivitäten präsent ist, bleibt ihm das Gefühl einer bewegten und lebendigen Jugendzeit in Erinnerung.
Sein beruflicher Weg begann mit der Schulzeit in Fohnsdorf, wo er 4 Jahre die Volksschule und auch 4 Jahre die Hauptschule besuchte, gefolgt vom Besuch des Polytechnischen Instituts. Danach wollte er eine Lehre beginnen; zu dieser Zeit wusste Köstner noch nicht, wie es um seine Talente und Fähigkeiten bestellt war, jedoch zeichnete ihn schon damals sportliche Vielseitigkeit und sein Engagement aus, um unterschiedliche Tätigkeiten kennenzulernen. Es ergab sich die Möglichkeit, eine Ausbildung bei der Bundesbahn in Knittelfeld zu beginnen, Köstner entschied sich jedoch aufgrund der damaligen Verkehrssituation, nicht nach Knittelfeld zu pendeln. Schließlich fand er seinen Platz im Bergbau in Fohnsdorf, einem Wirtschaftszweig, der die Region zu dieser Zeit stark prägte.
Zeitgleich zu seiner Arbeit im Bergbau bildete sich Hans Köstner im Sportbereich weiter. Er absolvierte staatliche Trainer- und Schilehrerausbildungen und war zeitweise auch als Turnlehrer bei Siemens tätig. Sport blieb damit ein zentraler Bestandteil seines Lebens. Besonders prägend war seine Tätigkeit als Fördermaschinist im Bergbau. Bereits mit 24 Jahren übernahm er diese verantwortungsvolle Aufgabe. Er arbeitete unter anderem am Karl-August-Schacht in Wasendorf, der rund 600 Meter tief war. Als Fördermaschinist trug er die Verantwortung für den sicheren Transport von Bergleuten und Kohle, ein Beruf, der mit dem Ende des Bergbaus in der Region vollständig verschwand.
Ein weiterer wichtiger Abschnitt seines Berufslebens führte ihn zum Konsum, dem damals größten Handelsunternehmen Österreichs mit rund 20.000 Mitarbeitern. Dort war er im Bereich Sportartikel tätig und baute ein Netzwerk von Sporthäusern in der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland auf. In dieser Zeit erkannte er, wie wichtig neben fachlicher Kompetenz auch kaufmännisches Wissen ist, und absolvierte daher eine betriebswirtschaftliche Ausbildung an der Händlerakademie in Wien.
Über viele Jahre hinweg war Köstner zudem als Presseverantwortlicher am Österreich-Ring, dem heutigen Red Bull Ring, tätig. Mehr als zwölf Jahre lang kümmerte er sich um Pressearbeit, Akkreditierungen und die Organisation des Presseteams und spielte damit eine wichtige Rolle im regionalen Eventgeschehen. Seine Begeisterung für Veranstaltungen und regionale Aktivitäten zeigte sich auch in zahlreichen Projekten, die er initiierte. Dazu zählte unter anderem das Schöcklfest in Graz, bei dem die weltgrößte Eierspeise mit 10.000 Eiern zubereitet wurde. Ebenso organisierte er das erste Langlaufrennen auf dem Ring, an dem über 800 Teilnehmer teilnahmen.
Rückblickend beschreibt Hans Köstner seinen Antrieb weniger als gezieltes regionalpolitisches Interesse, sondern vielmehr als Ausdruck seiner Persönlichkeit und seines inneren Drangs, etwas zu bewegen. Erst mit der Einführung des Tourismusgesetzes und der Unterstützung durch politische Wegbegleiter wie Landesrat Hirschmann rückte die regionale Entwicklung stärker in den Mittelpunkt seines Engagements. In diesem Zusammenhang gründete er unter anderem das Projekt „Pro Spielberg“, um die Interessen der Region zu bündeln und ihre Entwicklung aktiv voranzutreiben.
Ein besonders nachhaltiges Projekt, das er mitinitiiert hat, ist der Murradweg, dessen Entstehung vor rund 33 Jahren begann und von der damaligen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic unterstützt wurde. Ziel war es, die Region touristisch und wirtschaftlich zu stärken. Kritisch merkt Köstner jedoch an, dass zwar die notwendige Infrastruktur vorhanden sei, es jedoch weiterhin an ausreichender Unterstützung und Vermarktung fehle.
Hans Köstner, Fohnsdorf - Murtaler Zeitzeugen 2025/2026, Teil 2
Hans Köstner, Teil 2:
Hans Köstner, geboren 1941 in Fohnsdorf, gibt im zweiten Teil seines Zeitzeugengesprächs einen tiefgehenden Einblick in die Entwicklung des Tourismus und der regionalen Gemeinschaft im Murtal. Er erzählt ausführlich von der Gründung des regionalen Tourismusverbandes 1992, der die Bezirke Judenburg und Knittelfeld zusammenführte, Köstner erhielt als Obmann des Tourismusverbandes in Fohnsdorf den Auftrag diese in einem Tourismus-Regionalverband zu bündeln, um die Region trotz des belastenden Fliegerhorsts Zeltweg touristisch zu stärken. Köstner beschreibt die Herausforderungen, die der militärische Flugplatz mit Lärm und negativem Image für den Tourismus bedeutete, und wie sie dennoch auf die natürlichen Schönheiten wie den Zirbitzkogel setzten, um attraktive Wander- und Wintersportangebote zu etablieren.
Ein bedeutender Meilenstein war die Organisation von Flugschauen, bei denen Köstner zahlreiche Verhandlungen mit Politikern und Militärvertretern führte. 1997 gelang es ihm, die erste große Flugveranstaltung in Zeltweg mit etwa 150.000 Besuchern durchzuführen. Diese Veranstaltung veränderte das Bild der Region erheblich und zeigte, wie durch Engagement und Beharrlichkeit neue Perspektiven geschaffen werden können. Auch bei anderen Großevents wie der Formel 1 in Graz oder der Hubschrauber-Weltmeisterschaft 2000 spielte Köstner eine wichtige Rolle, indem er nicht-militärische Aspekte koordinierte und die Region präsentierte.
Darüber hinaus gründete er das Netzwerk „Freunde für Freunde“ und die „Mur Challenge“, ein Fluss-Event, das mittlerweile seit acht Jahren viele Teilnehmer anzieht und die Mur als öffentliches Gut für Freizeit und Erholung fördert. Köstner betont die Bedeutung solcher Projekte für die Gemeinschaft und die Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Er kritisiert den Mangel an einem starken „Motor“ in der Region, der gesellschaftlichen und politischen Fortschritt antreibt, und hofft, dass sich künftig engagierte Menschen finden, die seine Vision weitertragen.
Seine tiefe Verbundenheit mit dem Murtal zeigt sich in seinem langjährigen Einsatz für den Tourismus, die Kultur und soziale Initiativen. Köstner steht beispielhaft für jemanden, der durch persönliche Hingabe und Vernetzung wesentlich zur Entwicklung seiner Heimatregion beiträgt und dabei stets das Wohl der Gemeinschaft und zukünftiger Generationen im Blick hat.