MURTALER ZEITZEUGEN 2.0



Zeitzeuge: Johann Kreditsch, Lobmingtal



Johann Kreditsch, geboren 1925:



Johann Kreditsch wurde am 23. Mai 1925 im Krankenhaus Judenburg geboren und wuchs in Winden bei Oberzeiring auf. Er ist mit seinen 100 Jahren der älteste Gemeindebürger im Lobmingtal. Seine Kindheit war geprägt von einfachen Verhältnissen, seine Mutter war eine Magd, sein Vater war Zimmermann und Sagler also ein Arbeiter im Sägewerk. Bis zu seinem siebten Lebensjahr lebte er bei seiner Mutter, danach zog die Familie in ein eigenes Haus, das sein Vater nebenbei gekauft und hergerichtet hatte. Johann besuchte die örtliche Schule, die er bis zum Einmarsch der Deutschen besuchte. Damals veränderte sich sein Leben grundlegend. Plötzlich verschwanden die österreichischen Schulbücher, und es wurden neue Lehrmittel aus Deutschland eingeführt, die stark von nationalsozialistischer Propaganda geprägt waren.

In den 1940er Jahren, während des Zweiten Weltkriegs, begann Johann seine Lehre als Sägefacharbeiter in Kleinlobming. Doch die Arbeitsmöglichkeiten waren knapp, und er erlebte die schwierige Situation vieler junger Männer jener Zeit, die oft keinen festen Arbeitsplatz fanden. 1940 wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen und arbeitete zunächst an Verteidigungsanlagen an der Atlantikküste in Frankreich. Dann rückte er in die Wehrmacht ein von dort ging es weiter nach Holland, Italien und schließlich nach Polen. In Ostpreußen wurde er verwundet und kam ins Lazarett. Trotz der schwierigen Umstände hielt er durch und erhielt zwischenzeitlich sogar einen Urlaub, den er 1944 zuhause verbrachte. Dort beobachtete er die verzweifelte Lage der zurückgebliebenen Frauen und Arbeitskräfte.

Im Februar 1945 wurde Johann gefangen genommen und kam zunächst nach Polen in Gefangenschaft, danach wurde er nach Russland, genauer gesagt in die Region Brjansk deportiert. Dort verblieb er bis 1947, bevor er endlich als Heimkehrer nach Österreich zurückkehren konnte. Die Nachkriegszeit war für ihn eine Herausforderung, denn er hatte nichts außer der russischen Kleidung, die er trug, und musste sich erst wieder in das zivile Leben einfinden. Dennoch fand er schnell Arbeit bei einer Firma, bei der er insgesamt 45 Jahre beschäftigt war. Nebenbei bildete er sich weiter und absolvierte mehrere Berufsschulkurse, um seine Fähigkeiten zu vertiefen.

1949 heiratete Johann seine Frau, mit der er sechs Kinder großzog. Er baute das heutige Familienhaus eigenhändig und engagierte sich stark in der Gemeinde. Ob bei der Feuerwehr oder Kirche, er war stets engagiert und half bei zahlreichen Bauprojekten mit. Besonders bemerkenswert ist seine Rolle als Zeitzeuge. Johann erzählt Jugendlichen und Schülern von seinen Erlebnissen während des Nationalsozialismus und des Krieges. Er betont die Bedeutung von Erinnerung und kritischem Denken, um die dunklen Kapitel der Geschichte nicht zu vergessen. Trotz seines hohen Alters von 100 Jahren ist er geistig fit, humorvoll und engagiert sich weiterhin für seine Gemeinde.

Johann Kreditsch fühlt sich tief mit dem Murtal verbunden. Er ist hier geboren, aufgewachsen und hat sein ganzes Leben in dieser Gegend verbracht. Für ihn ist das Murtal nicht nur ein Wohnort, sondern seine Heimat im wahrsten Sinne des Wortes ein Ort, der ihm Halt, Gemeinschaft und Identität gibt. Seine Familie, Freunde und die enge Dorfgemeinschaft prägen sein Leben bis heute.






Zeitzeugen:

A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z