MURTALER ZEITZEUGEN 2.0



Zeitzeuge: Evelyn Schupp, Judenburg



Evelyn Schupp, geboren 1951:



Evelyn Schupp, geborene Seidl, wurde am 25. März 1951 in Judenburg geboren und wuchs dort im sogenannten Knappenhaus auf. Sie lebte gemeinsam mit ihrer Familie und etwa 28 weiteren Familien in einer engen Gemeinschaft. Die Kindheit beschreibt sie als schön und behütet, mit viel Zeit, die sie mit Freunden wie Grete Gruber verbrachte.

Ihr Vater arbeitete im Gußstahlwerk. Eine prägende Familiengeschichte ist die Verhaftung ihrer Großmutter und Tante während des Zweiten Weltkriegs. Sie wurden von der Gestapo aufgrund einer Denunziation festgenommen und in Konzentrationslager gebracht. Beide überlebten die Haft, was Evelyn als wichtiges und mahnendes Erlebnis hervorhebt.

Evelyn besuchte die Volksschule, die Hauptschule und anschließend die Handelsschule in Judenburg. Nach der Schulzeit absolvierte sie eine Lehre bei den Stadtwerken Judenburg als Sekretärin.

1969 zog Evelyn mit ihrem Freund nach Wien, um dort eine berufliche Karriere zu starten. Sie bewarb sich bei mehreren Firmen, unter anderem bei der amerikanischen Werbeagentur J. Walter Thompson, wo sie schließlich eine Stelle als Sekretärin bekam. In Wien erlebte sie eine kreative und lebendige Zeit. Sie lernte viele Künstler und kreative Menschen kennen und genoss die Freiheit und das Großstadtleben.

In den 1970er-Jahren war sie oft mit Arbeitskollegen in den bekanntesten Diskotheken unterwegs und beschreibt diese Zeit als „lässig“ und „wunderschön“. 1978 wurde ihr Sohn Florian geboren, woraufhin sie ihre Arbeit kündigte, um sich um ihn zu kümmern. Nach einigen Jahren in Zeltweg kehrte sie mit ihrer Familie nach Judenburg zurück. Dort begann sie wieder zu arbeiten, unter anderem bei der Allgemeinen Bausparkasse der Volksbanken. Ihr Mann war beruflich oft auf Montage, unter anderem in der Türkei, wo Evelyn ihn mit dem Wohnmobil besuchte. Besonders fasziniert war sie von der unterirdischen Stadt Derinkuyu.

Nach ihrer Scheidung zog sie wieder in eine kleine Wohnung im Hochhaus, und nach dem Tod ihres Vaters übernahm sie die elterliche Wohnung. Seit 2020 engagiert sich Evelyn ehrenamtlich bei der Volkshilfe im Bezirk Murtal, was ihr sehr am Herzen liegt. Die Organisation war ihr in der Jugend unbekannt, heute ist sie jedoch eine aktive und geschätzte Kraft.

Evelyn Schupp verbindet mit Judenburg und dem Murtal eine tiefe Heimatverbundenheit. Sie beschreibt Judenburg als einen Ort, der ihr in der Kindheit viel Sicherheit und Geborgenheit gab und den sie nach ihren Jahren außerhalb immer wieder als Heimat empfand. Besonders der Hauptplatz mit dem Stadtturm ist für sie ein Symbol dieser Heimat. Trotz der Veränderungen in der Stadt, wie der modernen Gestaltung des Hauptplatzes, empfindet sie die Atmosphäre heute genauso schön wie früher. Sie schätzt die Gemeinschaft, die Traditionen und die Freundschaften, die sie in Judenburg pflegt.






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