Harald Trummer, geboren am 1. November 1939 in St. Lorenzen, berichtet in seinem Zeitzeugengespräch ausführlich über seine Lebensgeschichte, die Schmiede seiner Familie und die regionale Zeitgeschichte des Murtals. Seine Geburt fiel in die Kriegszeit, wobei seine Mutter ihn mit dem Fahrrad zur Hebalm brachte und ihn dort gebar. Sein Vater kehrte nach dem Krieg zurück und war maßgeblich an der Entwicklung der Schmiede beteiligt.
Die Schmiede existiert bereits seit dem 19. Jahrhundert und war ursprünglich eine „Hammerschmiede“, also zwei Hämmer mit Wasserantrieb. Diese Schmiede stellte damals gemeinsam mit dem Sensenwerk den Betrieb ein. Haralds Vater kam am 5. Dezember 1936 nach St. Lorenzen und übernahm die damals bestehende Werkstätte. Da die Werkstätte jedoch zu klein wurde, spielte er mit dem Gedanken, nach Sachendorf zu gehen. Die Bauern aus der Region schlossen sich jedoch zusammen, um ihn zu überreden zu bleiben, da man ihn in der Region brauchte.
Nach Kriegsende entwickelte sich die Schmiede weiter, insbesondere durch die Einführung von Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen. Sein Vater war innovativ und baute die Werkstätte 1953 zu einer Vertragswerkstatt aus, die hauptsächlich landwirtschaftliche Maschinen betreute.
Harald begann mit 16 Jahren nach der Schulzeit seine Lehre. Er hatte das Glück, dass er nur ein Jahr Praxis machen musste und danach seine Meisterprüfung ablegen konnte. Von 1953 bis 1956 besuchte er die Fachschule für Kunstbau und Maschinenschlosserei in Bruck, die heutige HTL in Kapfenberg. Später übernahm er die Werkstatt und baute das Angebot um Hofaufzüge, Montagearbeiten und Reparaturen aus. Er war maßgeblich als Hofschmied für die Bauern tätig, reparierte landwirtschaftliche Geräte und entwickelte spezielle Werkzeuge, wie den berühmten „Kernspitz“. Neben der handwerklichen Tätigkeit war Harald auch im Außendienst aktiv und baute die Werkstätte weiter aus.
Eine bedeutende Tradition ist die jährliche Feier am 5. Dezember, dem Tag der Schmiede und des Krampusbrauches. Bei dieser Gelegenheit wird traditionell Starkbier gebraut, und die Gemeinschaft trifft sich, um den Brauch zu pflegen. Haralds Sohn führt diese Tradition fort, während Harald selbst noch aktiv an den Feiern teilnimmt.
Harald erzählt auch von einem schweren Skiunfall, bei dem er Verletzungen erlitt, aber dank eines bekannten Arztes vollständig genesen ist. Musik war ein wichtiger Bestandteil seines Lebens: Seit 1967 spielt er aktiv in einem Musikverein, war Stabführer und ist Ehrenmitglied. Er engagierte sich in der Gemeinde und pflegte durch Musik und Handwerk Verbindungen zu vielen Menschen.
Harald Trummers Schmiede ist ein wichtiger Teil der regionalen Geschichte und Infrastruktur. Er bildete zahlreiche Lehrlinge aus und trug zur Entwicklung der landwirtschaftlichen Technik bei. Seine Arbeit und sein Engagement spiegeln die Verbindung von Tradition, Handwerk und Gemeinschaft im Murtal wider.