Reinhard Brantner wurde im Jahr 1950 geboren und wuchs nahezu vollständig auf der Möschbauer Alm am Südhang des Steinplan in der Gemeinde Lobmingtal auf. Seine Kindheit war geprägt von den gesellschaftlichen Gegebenheiten jener Zeit, denn er war ein lediges Kind, was vor über 70 Jahren noch als gesellschaftliche Schande galt. Dies war möglicherweise auch ein Grund, warum seine Mutter fast 45 Jahre als „Schwoargerin“, das ist der obersteirische Begriff für Sennerin, auf der Alm tätig war. Seine Jugend auf der Alm hat er in guter Erinnerung behalten, da die Natur hier sehr idyllisch war.
In seiner Jugendzeit war Brantner viel auf der Alm unterwegs, umgeben von Kühen und Schweinen, die frei herumliefen, begleitet vom Läuten der Kuhglocken. Aufgrund mangelnder Infrastruktur gab es keine Straßen, sodass der Weg zum Hof der Familie nach Mitterbach zu Fuß etwa zweieinhalb Stunden dauerte. Seine Mutter begleitete ihn oft einen Teil des Weges, bevor er allein weiterging. Vom Hof aus konnte er dann die Schule in St. Margarethen besuchen. Während der Schulzeit verbrachte er die meiste Zeit am Hof zu Hause, nur in den Ferien kehrte er auf die Alm zurück.
Die Alm hat eine lange Geschichte und wurde erstmals im Jahr 1666 urkundlich erwähnt, als sie im Urbar der Herrschaft Großlobming registriert wurde. Im franziszeischen Kataster von 1823 ist sie als Hof mit 5 Hektar Ackerland, 25 Hektar Wiesen und 30 Hektar Weiden ausgewiesen. Interessant ist, dass um 1825 der langjährige Knittelfelder Bürgermeister Josef Stocker Eigentümer war, der von 1818 bis 1842, also 24 Jahre dieses Amt innehatte, und bis heute der längst dienende Bürgermeister von Knittelfeld war.
Die Almwirtschaft war bis in die 1960er und frühen 1970er Jahre hauptsächlich auf Milchwirtschaft ausgerichtet. Butter und der bekannte „Murtaler Steirerkäse“ wurden hergestellt, und Schweine dienten der Verwertung von Abfällen. Doch mit der Landflucht und dem Rückgang der Arbeitskräfte veränderte sich die Nutzung. Heute wird die Alm vorwiegend als Jungtieralm und Mutterkuhhaltung betrieben. Viele der früher genutzten Flächen, die 1823 kartiert wurden, sind mittlerweile wieder zugewachsen.
Eine besondere historische Bedeutung besitzt die Mühlsteinproduktion auf dem Steinplan, die auf das 16. und 17. Jahrhundert zurückgeht. Aufgrund des Vorkommens von Granatglimmerschiefer, welcher sich sehr gut für die Produktion von Mühlrädern eignete. Dokumente aus dem Jahr 1680 belegen Mauttarife für Mühlsteine, was die wirtschaftliche Bedeutung dieser Tätigkeit bestätigt. Leider wurden viele Mühlsteine beim Hochwasser 1938 zerstört oder weggetragen. Einige hat Brantner freigelegt und als Kulturgut erhalten. In einer alten Knechtkammer hat er alte Gerätschaften und Utensilien vom Hof zusammengetragen und bewahrt so ein Stück Geschichte für die Nachwelt auf.
Bei seiner Suche und durch Schmökern in alten Schriften erfuhr er vieles über alte Gerätschaften, die früher von Bauern und Hirten benutzt wurden. Dabei sticht besonders der sogenannte „Rinkelstecken“ hervor, der als ein Arbeitsgerät für Hirten beschrieben wird. Der Rinkelstecken ist ein Stock mit Eisenringen, der genutzt wurde, um Lärm zu erzeugen. Dieses Gerät diente nicht nur zur Arbeitserleichterung, sondern auch als Schutzmechanismus, insbesondere zur Abwehr von Wölfen. Interessanterweise wurde der Rinkelstecken historisch von Kabaten also Hirten bis zu den baltischen Staaten verwendet.
Der Klimawandel zeigt sich in der Region durch eine frühere Auftriebszeit der Tiere, war es früher Mitte Mai, so beginnt die Weidezeit heute oft bereits Ende April oder Anfang Mai. Die Intensivierung der Landwirtschaft in den Tallagen und der Rückgang der Auftriebsflächen stellen Herausforderungen dar. Das „Maul des Rindes“ ist laut Brandner einer der wichtigsten Faktoren für die Bewirtschaftung und den Erhalt der Almwirtschaft.
Eine besondere Anekdote stammt aus dem Jahr 1969, als die Apollo-Mondlandung viele Menschen im Murtal faszinierte. Zu dieser Zeit besaß ein Nachbar als einer der wenigen einen Fernseher, und die Bewohner versammelten sich, um das Ereignis zu verfolgen.
Was die Verbindung von Reinhard Brantner zum Murtal ausmacht, ist seine tiefe Verwurzelung in der Region. Er sieht sich als „Altbauer“, dessen Familie den Hof weiterführt und der die Traditionen und Geschichte der Almwirtschaft bewahrt. Die Arbeit seiner Vorfahren und die Pflege der Landschaft sind für ihn nicht nur Erinnerung, sondern gelebte Verantwortung. Er hofft, dass die Almwirtschaft erhalten bleibt und weiterhin wertgeschätzt wird, denn diese Verbindung prägt sein Leben und seine Identität nachhaltig.