MURTALER ZEITZEUGEN 2.0



Zeitzeuge: Rudi Weißenbacher, Spielberg



Rudi Weißenbacher, geboren 1958:



Rudi Weißenbacher, geboren 1958 in Knittelfeld, als einer der jüngeren Zeitzeugen, gibt er einen tiefgehenden Einblick in die kulturelle Entwicklung der Region Murtal, insbesondere im Bereich Musik und Jugendarbeit. Im Gespräch schildert Rudi seine Kindheit und Jugend, die in den 1960er und 1970er Jahren stattfand. Er erinnert sich daran, wie damals noch typische Kinderspiele wie Indianerspielen gang und gäbe waren, was heute nicht mehr selbstverständlich sei. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für Musik, sang im Schulchor und wurde von der damals aufkommenden „Beatles“-Musikwelle inspiriert.

Mit 13 Jahren gründete er zusammen mit Freunden eine Band namens „Black Angels“, die zunächst ohne Verstärker auskommen musste und mit improvisiertem Equipment, wie Radios, spielte. Ein bedeutender Moment war ein Auftritt im alten Stubalm Kino, damals vor dem bekannten Nicki Lauda , was für die jungen Musiker ein großer Erfolg und unvergesslicher Moment war. Nach einigen Jahren intensivem Proben änderte die Gruppe ihren Namen in „Trinity“ und spielte zahlreiche Konzerte, unter anderem als Vorband einer englischen Band im Volkshaus in Knittelfeld.

In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren entwickelte sich Rudis musikalischer Weg weiter. Er lernte Schlagzeugspielen mit professionellerem Equipment, u.a. von einem verstorbenen Musiker aus der bekannten Band „Freak Out“, und gewann den steirermärkischen Bandwettbewerb im Orpheum. Als Preis durfte die Band als Vorgruppe der Gruppe „Magic“ in Graz auftreten, was ebenfalls ein bedeutender Karriereschritt war.

Parallel zu seiner musikalischen Laufbahn absolvierte Rudi eine Lehre als Heizungsinstallateur und leistete neun Monate Wehrdienst beim Bundesheer. Danach arbeitete er in einer Fabrik, um finanziell unabhängiger zu werden. Mit seinem Freund Christoph, der später ein bekannter Manager im Formel-1-Kartenverkauf wurde, reiste er nach Amerika und arbeitete dort auf einer Farm in Delaware, bevor sie zurückkehrten. Christoph setzte später seine Karriere im Musikmanagement fort und organisierte bedeutende Musikfestivals in der Region, beispielsweise in Zeltweg oder, das „Austropop Musikfestival“ in der Aichfeldhalle.

Ein tragisches Ereignis veränderte jedoch die musikalische Szene. Nach einem Konzert in Fürstenfeld kam es zu einem Unfall, bei dem der Sänger der Band Welcome namens „Gigi“ verunglückte. Dies führte dazu, dass die Band „Welcome“ und andere Projekte auseinanderbrachen, und viele Musiker begannen, sich beruflich anders zu orientieren. Rudi selbst blieb weiterhin mit der Musik verbunden, auch wenn er sich zunehmend anderen Tätigkeiten widmete.

Der Einstieg in die Kulturarbeit kam 1988 mit der Übernahme des Jugendzentrums in Spielberg, das damals gerade eröffnet wurde. Ursprünglich war Rudi über seine Tätigkeit beim Österreichring und durch Kontakte zum Land Steiermark in diese Aufgabe gekommen. Das Jugendzentrum hatte eine bewegte Geschichte, es war in einer ehemaligen Villa untergebracht, die vorher als Gerichtsgebäude und Henkerstätte diente. Der damalige politische Einsatz für die Einrichtung und Sicherung des Jugendzentrums war geprägt von Widerständen, vor allem wegen Vorurteilen wie Drogen- oder Alkoholmissbrauch. Rudi setzte sich dafür ein, dass im Jugendzentrum kein Alkohol ausgeschenkt wurde und dass die Eltern Vertrauen zum Haus aufbauten. Ziel war es, ein positives Image zu schaffen und echte Jugendarbeit zu leisten.



Rudi Weißenbacher, Spielberg - Murtaler Zeitzeugen 2025/2026, Teil 2



Rudi Weißenbacher, Teil 2:



Im zweiten Teil des Zeitzeugengespräches berichtet Rudi Weißenbacher, ein langjähriger Kulturamtsleiter aus der Region Spielberg, eindrucksvoll über seine vielfältige Tätigkeit und die kulturelle Entwicklung der Region seit den 1990er Jahren. Er erklärt, wie er ab Mitte der 1990er Jahre maßgeblich am Aufbau und Betrieb eines Kulturzentrums in Spielberg beteiligt war, das 1995 eröffnet wurde. Dieses Zentrum wurde schnell zu einem wichtigen Veranstaltungsort, bei dem zahlreiche namhafte Kabarettisten und Musiker auftraten, darunter Ludwig Hirsch, Georg Danzer, Wolfgang Ambros und Reinhard Fendrich die alle eng mit Weißenbacher zusammenarbeiteten.

Besonders spannend sind Rudis Schilderungen zu den großen Musik-Events, etwa den Rolling-Stones-Konzerten am Österreichring, die in Spielberg stattfanden. Rudi erzählt von den Herausforderungen mit den Tourmanagern und den kuriosen Anforderungen der Künstler, wie der Suche nach Eiswürfeln kurz vor dem Konzert. Damals fuhren Rudi und sein Team sämtliche Gasthäuser ab, um die Eiswürfel zu bekommen, von denen schlussendlich keiner gebraucht wurde. Trotzdem legte Weißenbacher immer großen Wert auf professionelle Betreuung und erarbeitete sich so einen guten Ruf in der Szene.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt für Rudi auf der Förderung jüngerer Künstler aus der Region, wie Paul Pizzera und Otto Jaus, die bei ihm ihre ersten Auftritte hatten. Er betont die Bedeutung von Freundschaften und persönlichem Kontakt, die auch nach deren Karrierefortschritt erhalten blieben. Er erzählt auch von Rückschlägen, etwa Burnout-Erkrankungen bei Künstlern, und den damit verbundenen Herausforderungen, die Kultur in der Region lebendig zu halten.

Rudi Weißenbacher ging offiziell im April 2020 in den Ruhestand, wurde aber von der Gemeinde gebeten, seine Tätigkeit für weitere zwei Jahre fortzusetzen. Dies wurde durch die Corona-Pandemie erschwert, da viele Veranstaltungen abgesagt wurden und sich die Kulturszene erst langsam erholt. Dennoch blickt er optimistisch in die Zukunft und hofft, dass die Kultur wieder den Stellenwert erhält, den sie früher hatte – mit ehrlicher, live gespielter Musik und authentischen Künstlern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Gesprächs ist die Zusammenarbeit mit Knittelfeld, wo Weißenbacher ebenfalls kulturell aktiv ist und den Wiederaufbau des dortigen Kulturhauses begleitet. Er nennt für die Zukunft ein vielfältiges Programm mit namhaften Künstlern und betont die Bedeutung eines bunten Mixes aus Klassik, Kabarett und moderner Musik.

In über 5.500 Veranstaltungen war Rudi Weißenbacher im Laufe seiner Karriere involviert. Seine Verbindung zu Spielberg sieht Rudi darin, dass Spielberg das Trittbrett für seine Karriere war. Sein Engagement im Kulturbereich in Knittelfeld sieht er als gelungenen Abschluss, dem er noch einige Zeit nachgehen will, was er mit den Worten „Einmal Kultur, immer Kultur“ bekräftigt.




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