Grete Margarethe Gruber wurde am 15. April 1949 in Judenburg geboren. Sie wuchs in Judenburg, genauer gesagt im Stadtteil Knappenhaus, auf – einer Gegend, die früher einen schlechten Ruf hatte, die sie aber als Kind sehr schön erlebte. Ihr Vater verunglückte bereits, als sie sieben Monate alt war, sodass sie von ihrer alleinerziehenden Mutter großgezogen wurde. Trotz der schwierigen Nachkriegsverhältnisse und finanziellen Einschränkungen empfand sie ihre Kindheit als glücklich und zufrieden. Sie wuchs gemeinsam mit der Familie Seidl auf. Evelyn Seidl, heute Schupp, wurde eine lebenslange Freundin, die Grete auch als gemietete Halbschwester bezeichnet.
Grete erinnert sich an eine behütete Schulzeit in Judenburg. Sie besuchte zunächst die Volksschule in der Stadt und später die Hauptschule, da das Gymnasium damals für Kinder aus Arbeiterfamilien kaum zugänglich war. Anschließend absolvierte sie die Handelsschule in Judenburg, die damals eine Privatschule war und im heutigen Stadtmuseum untergebracht ist. Die Nachkriegszeit war geprägt von Mangel, jedoch auch von Gemeinschaft und Zufriedenheit – alle Familien in Judenburg hatten ähnliche Lebensbedingungen.
Nach Abschluss der Handelsschule begann Grete Gruber eine Tätigkeit im Gußstahlwerk Judenburg, wo sie in der Betriebswirtschaft arbeitete. Das Werk war damals ein sehr großer Betrieb mit über 2000 Beschäftigten. Sie erlebte dort ein lebhaftes Betriebsleben, hatte aber auch immer Angst vor dem Ofen, da ihr Vater dort verunglückt war. Die Stahlkrise der 1980er Jahre, insbesondere der Marsch der Zehntausend, war für sie als Arbeiterin und Bürgerin ein prägendes Erlebnis. Diese Demonstration zeigte den starken Zusammenhalt der Arbeitnehmer und führte letztlich zu einer Fortsetzung des Betriebs unter dem damaligen Direktor Dr. Großmann, der sich für den Erhalt des Werks einsetzte.
Grete Gruber engagierte sich aktiv in der Gesellschaft. 1985 trat sie in den Gemeinderat von Judenburg ein und war insgesamt 26 Jahre politisch aktiv, unter anderem auch als Bürgermeisterin der Stadt. Während ihrer politischen Laufbahn war sie auch Landtagsabgeordnete. Sie gründete gemeinsam mit anderen die Amnesty-International-Gruppe 63 in Judenburg, die sich für Menschenrechte und soziale Zwecke einsetzte. Ein bedeutendes Ereignis war die Unterstützung eines gefolterten Opfers aus Südafrika, den sie persönlich vom Bahnhof abholte.
Einige Dinge, die Grete Gruber im Zuge ihrer politischen Laufbahn in Erinnerung geblieben sind und ihr – wie sie sagt – graue Haare wachsen ließen, waren Projekte wie die Brücke oder die Kläranlage in Judenburg sowie die Finanzkrise. Bis heute ist Grete Gruber weiterhin ehrenamtlich tätig.
Grete Gruber beschreibt Judenburg als eine Stadt mit freundlichen Menschen, in der man gerne lebt. Sie betont die Entwicklung der Stadt von einer eher grauen Industriestadt hin zu einer lebendigen, bunten Gemeinde, nicht zuletzt durch Veranstaltungen wie die Landesausstellung. Für sie ist die Verbindung zu den Menschen und das Engagement in Vereinen und der Politik ein wichtiger Teil ihres Lebens.